Geld-Geschichte(n) – Teil 10: Die Gründung der Fed vor 103 Jahren

In unserer Reihe „Geld-Geschichte(n)“ blicken wir zurück auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt. Welche Ereignisse in dieser Kalenderwoche haben Menschen und Märkte bewegt? Heute: die Gründung der US-Notenbank am 23. Dezember 1913.

1910 trafen sich sieben Männer auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Georgia. Sie seien unterwegs zur Entenjagd, hatten sie ihren Familien erzählt. Ihr eigentliches Vorhaben: den Plan für eine amerikanische Notenbank zu entwickeln. Das Treffen blieb lange Zeit geheim, ihre Idee allerdings nicht.

Nur drei Jahre nach der Zusammenkunft auf Jekyll Island wurde das Federal Reserve System gegründet – kurz Fed. Seitdem kümmert sich die Notenbank der USA um die Geldpolitik des Landes, kontrolliert die Währungsreserven und gibt die Banknoten aus. Die Fed berichtet regelmäßig an den US-Kongress. Ihre Entscheidungen trifft sie aber unabhängig und eigenständig – und beeinflusst damit maßgeblich die Finanzmärkte weltweit.

Gründung der Fed – Reaktion auf die „Banker’s Panic“

Dass sich die Männer vor über 100 Jahren auf Jekyll Island trafen, hing mit der Wirtschaftskrise von 1907 zusammen. Am 22. November 1907 war der Finanztrust Knickerbocker zusammengebrochen und hatte eine der verheerendsten Finanzkrisen der USA ausgelöst – bekannt auch als „1907 Bankers' Panic“. Infolgedessen überredete der einflussreiche Privatbankier John Pierpont Morgan, Mitgründer der nach ihm benannten Investmentbank J. P. Morgan & Co., seine Banker-Kollegen, Geld in das System zu pumpen und somit Vertrauen zu schaffen. Was allen Beteiligten damals klar war: Man konnte sich im Krisenfall nicht allein auf eine Person verlassen. Sie brauchten eine Institution, die als Kreditgeber bereitsteht. Die Fed wurde also vor allem aus der Motivation gegründet, Finanzkrisen abzuwenden.

Hierfür hat sie einige effektive Instrumente in der Hand:

  1. Den Leitzins: Die Fed kontrolliert die Höhe der maßgeblichen Zinssätze, zu denen sich Banken Geld bei ihr leihen können. Genauer gesagt tut dies der sogenannte Offenmarktausschuss. Der setzt sich aus sieben Board-Mitgliedern zusammen, drunter Notenbankpräsidentin Janet Yellen, übrigens die erste Frau an Spitze der Institution. Zuletzt hat die Fed die Leitzinsen Mitte Dezember angepasst. Die Erhöhung auf 0,25 Prozent wurde von vielen Beobachtern begrüßt. BdB-Chef Kemmer sprach von einem „kleinen Schritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung“ in Niedrigzins-Zeiten.
  2. Die Offenmarktgeschäfte: Damit gemeint sind Kauf und Verkauf von Wertpapieren durch die Fed im Handel mit Geschäftsbanken, entweder direkt bei ihnen oder über die Börse. Auf diesem Weg reguliert die Notenbank das verfügbare Kapital der Geldinstitute und nimmt erheblichen Einfluss auf deren Tagesgeldzinssatz.
  3. Die Mindestreservebestimmungen. Die Regelung besagt, dass Banken einen bestimmten Teil ihres Kapitals bei der Fed hinterlegen müssen. Der ursprüngliche Gedanke der Mindestreserven war es, ein Liquiditätspolster zu schaffen für den Fall massiver Abhebungen durch Kunden in Zeiten einer Bankenkrise („Bank Run“). Allerdings wurden den Notenbankern schnell auch die geldpolitische Bedeutung dieses Werkzeuges bewusst: Eine Veränderung der Mindestreservebestimmungen führt dazu, dass Geschäftsbanken mehr oder weniger Geld an eigene Kunden verleihen können und damit auch die Kreditzinsen tendenziell sinken oder steigen.

Kritiker der Fed monieren, all diese Instrumente seien wirkungslos. Seit ihrer Gründung habe sie, so entsprechende Stimmen, weder Börsencrashs noch Finanzkrisen verhindern können. Sei es die Große Depression in den 1930er Jahren, die Aktienmarktblase zur Jahrtausendwende oder die weltweite Finanzkrise von 2008. Andere Finanzexperten lassen die Kritik jedoch nicht gelten mit dem Hinweis, dass bei derart komplexen volkswirtschaftlichen Verwerfungen selbst so mächtige Akteure wie Notenbanken machtlos sind. 

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