Kraftlos, aber nicht wertlos: Das Ende der „Tafelpapiere“

Früher sah man sie gar nicht so selten: „effektive Wertpapiere“, die noch als gedruckte Urkunde über den Bankschalter verkauft wurden. Diese wurden häufig auch „Tafelpapiere“ genannt und hängen heute noch in manchen Haushalten gerahmt hinter Glas. In Zeiten der Digitalisierung haben sich diese Urkunden aus Papier aber längst überlebt. Wer heute zum Beispiel Investmentfondsanteile kauft, findet diese nur noch auf seinem Depotauszug.

Der Gesetzgeber hat nun sogar entschieden, dass ab 1. Januar 2017 gar keine Fondsanteile auf Papier mehr ausgegeben werden dürfen. Und wer noch einen gedruckten Investmentfondsanteil hat, sollte diesen in ein Depot einbuchen lassen. Miye Kohlhase, Kapitalmarktexpertin vom Bankenverband, informiert über die Änderungen:

Frau Kohlhase, was ändert sich für Inhaber von Fondsanteilen zum Jahresende?

MIYE KOHLHASE: Ab 1. Januar 2017 werden durch neue Regelungen im Kapitalanlagegesetzbuch für Investmentfonds keine Inhaber-Anteilsscheine als Papierurkunden mehr ausgegeben. Bereits existierende Anteilsscheine auf Papier, also „effektive“ Anteilsscheine, werden zu diesem Datum kraftlos, verlieren also ihre Funktion als Wertpapier. Sie werden dadurch aber nicht wertlos.

Betrifft dies auch Aktien oder Anleinen, die ich als Papierurkunden besitze?

Nein. Die neuen Regelungen gelten nur für Fondsanteilsscheine.

Was sollte man tun, wenn man einen gedruckten Anteilsschein zu Hause oder im Schließfach hat?

Anleger sollten ihre Urkunden in die sogenannte Wertpapiersammelverwahrung geben. Das bedeutet, dass sie ihre Papiere auf einem Wertpapierdepot gegen Einreichung der Anteilsscheine gutschreiben lassen.

Was passiert, wenn man nichts tut oder vielleicht erst später im Haus der Eltern oder Großeltern solche Papiere findet?

Einen dringenden Handlungsbedarf haben Anleger nicht. Die Anteilsscheine werden am 1. Januar zwar „kraftlos“, sie verlieren also ihre Funktion als Wertpapiere, aber nicht ihren Wert. Anders als in anderen Ländern wird in Deutschland die rechtliche Stellung des Anlegers als Anteilseigner am Investmentvermögen nicht berührt. Seine Rechte werden ab dem 1. Januar statt in den effektiven (gedruckten) Anteilsscheinen dann in einer Sammelurkunde verbrieft. Der Anleger kann auch nach Ablauf der Frist durch Vorlage und Einreichung eines kraftlosen Anteilsscheins seine Berechtigung nachweisen und so eine Gutschrift auf einem Depot erhalten. Der Anteilsschein ist dann zwar kein Wertpapier mehr, aber er dient als Beweisurkunde für die Rechte des Anlegers.