Darum können Robo-Advisor Bankberatung noch nicht ersetzen

Die Idee klingt verlockend einfach: Intelligente Computerprogramme ermitteln erst Ihre Geldanlage-Vorlieben, treffen eine Produktauswahl oder investieren das Geld dann sogar passend dazu in Aktien, Anleihen und andere Anlageformen. Sie müssen nichts tun, sparen Zeit und Geld und brauchen sich nicht sorgen, dass Sie angesichts der Vielzahl und Komplexität der heutigen Finanzprodukte eine für die eigenen Präferenzen falsche Auswahl treffen.

Mit diesen praktischen Vorteilen wird für „Robo-Advice“ geworben. Der Bankenverband weist aber darauf hin, dass es ganz unterschiedliche Angebote gibt, die sich an unterschiedliche Anlegertypen richten. Im Interview mit finanzen.de erklärte Tanja Beller Hintergründe und sprach über:

Mangelnde Finanzbildung hierzulande: Die Wissenslücken zu Geldanlage und Finanzen seien erheblich. So gebe jeder Zweite der Befragten laut einer BdB-Studie zu, von dem, was an der Börse geschieht, „keine Ahnung“ zu haben. „Dabei ist eine fundierte Wirtschafts- und Finanzbildung die Voraussetzung, um richtige Geld- und Anlageentscheidungen zu treffen.“

Vorausschauende Geldanlage: Kleinanleger sollten vor jedem Investment mehrere Quellen vergleichen. Genauso wichtig sei es, sich über seine eigenen Anlageziele und die persönliche Finanzlage im Klaren zu sein. Dazu gehörten Fragen wie: Über welche Beträge verfügt man (einmalig oder regelmäßig)? Wie lange möchte man das Geld anlegen? Wie wichtig ist es, jederzeit auf das Kapital zugreifen zu können? Und ganz zentral: Wie viel Risiko möchte man eingehen? Bellers Rat: „Grundsätzlich sollte man nur solche Finanzprodukte kaufen, deren Funktionsweise und Risiken man versteht.“

Sinnvolle Spartipps für Kleinanleger: „Für eine Chance auf Gewinn beziehungsweise Rendite kommt man an Aktien nicht vorbei“, so Beller im Gespräch mit finanzen.de. Für Anleger, die regelmäßig kleinere Beträge sparen wollten, böten sich Fondssparpläne an. Im Sinne einer Streuung der Risiken sei es sinnvoll, auf Fonds zu setzen, die in ertragsstarke Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen investierten. Hierbei kämen sowohl die besonders günstigen ETFs in Frage, die Börsenindizes nachbilden, als auch aktiv gemanagte Fonds. Bei den letzteren sollte man jedoch die regelmäßig anfallenden Kosten berücksichtigen.

Robo-Advice: Was diese neuen Finanz-Apps verbindet, ist ein Algorithmen-basiertes Empfehlungs-Management. Entwickelt haben sie zumeist FinTechs, also Startups, die Finanz-Dienstleistungen digitalisieren. Aber auch Banken bieten verschiedene Online-Tools an. Generell ließen sich die verschiedenen Angebote nicht pauschal bewerten, so Beller. „Ein Gespräch mit einem Anlageberater, der gezielte Fragen zur persönlichen Situation des Anlegers stellt, kann Robo-Advice aber sicher (noch) nicht ersetzen.“