Geld-Geschichte(n) – Teil 7: der Börsengang der Telekom

18. November 1996: Die T-Aktie startet

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: der Börsengang der Telekom am 18. November 1996.

Die Telekom und besonders der damalige Vorstandschef Ron Sommer lösten 1996 eine bis dahin nicht gesehene Begeisterung für Wertpapiere in der Bundesrepublik aus. Der Börsengang des vom Staat kontrollierten Unternehmens läutete eine mehrere Jahre anhaltende Aktien-Euphorie ein.

„Wenn die Telekom jetzt an die Börse geht, geh’ ich mit“

Diesen Satz haben Sie vielleicht noch in Erinnerung. Schon einige Monate vor dem Börsengang schalteten die Bonner eine umfangreiche Werbe- und PR-Kampagne. Diese sollte auch Privatpersonen von Aktien überzeugt. Dafür holte sich das Unternehmen prominente Verstärkung: den Schauspieler Manfred Krug, bekannt zum Beispiel aus dem Tatort.

Er war das Gesicht der Kampagne – heute würde man es „Testimonial“ nennen - und mit dem Spruch jeden Abend im TV zu sehen. Eine Anzeigenkampagne in großen Zeitungen heizte den Countdown ("Noch zehn Tage ... noch neun Tage ...") zusätzlich an.

Die Aktie des Volkes

Die T-Aktie wird oft als erste Volksaktie bezeichnet. Das allerdings stimmt nicht ganz: Schon 1959 wurde mit dem Börsengang von Preussag die erste Volksaktie geboren, bei der 77,6 Prozent des Kapitals in private Hand übergingen. Zwei Jahre später folgte Volkswagen, danach die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (Veba). Laut welt.de stiegen allein bei der Veba, die heute Teil von E.on ist, mehr als zwei Millionen Anleger ein.

Der Staat förderte die Aktieninvestments damals massiv: Bei VW gab es für Kleinverdiener sogar einen „Sozialrabatt“, um die Papiere populär zu machen.

In puncto Größe war der Börsengang der Telekom jedoch einzigartig. Am 18. November 1996 gab das Unternehmen Aktien im Wert von rund 10 Milliarden Euro aus. „Der Run auf die Papiere hat begonnen“, schrieb der Spiegel, Telekom-Marketing-Chef Ewald Spiess sprach gar von einer „Jackpot- Euphorie“. Das Papier sprang so von 28,50 Mark (umgerechnet 14,57 Euro) noch am ersten Tag auf 33,90 Mark. Ein Plus um mehr als 15 Prozent – heute kaum vorstellbar, damals im einsetzenden „New Economy“-Boom fast schon normal.

Boom und Absturz

Die ersten Jahre hielt die gute Stimmung an. Es folgten zwei weitere Kapitalerhöhungen des Unternehmens in den Jahren 1999 und 2000. Bei der ersten kosteten die Papiere umgerechnet schon 39,50 Euro. Mehrfach überzeichnet war sie trotzdem, Ron Sommer sprach gar davon, dass das Papier zu einem „begehrten Markenartikel“ geworden sei. Die Zeit war gekennzeichnet vom Boom des „Neuen Marktes“ und der Börsen-Begeisterung. Nie wieder hielten so viele Deutsche Aktien wie zu Beginn des neuen Jahrtausends: Damals gab es insgesamt 6,2 Millionen direkte Aktionäre, 2015 waren es nur 4,4 Millionen. 

Im Juni 2000 brachte die Telekom im Rahmen einer weiteren Kapitalerhöhung zum dritten Mal Aktien auf den Markt. Trotz des hohen Ausgabepreises von 66,50 Euro wollten erneut mehr Anleger Papiere kaufen als zur Verfügung standen.

Dann begann jedoch der Abstieg: Schon am ersten Tag gab es Anzeichen auf eine Gezeitenwende: Der Aktienkurs der Telekom sank auf 65,79 Euro. Danach stürzte die Aktie immer weiter ab, bis sie im Juni 2002 auf ihrem Allzeittief von 8,14 Euro angekommen war. Ron Sommer trat zurück, Millionen Kleinanleger verloren viel Geld, und viele enttäuschte Aktionäre strengten Schadensersatz-Klagen an. So geht die Frankfurter Allgemeine Zeitung von 17.000 Kleinanlegern aus, deren Prozesse auch heute noch nicht abgeschlossen sind.

Am bedauerlichsten im Rückblick ist jedoch, dass die geplatzte Telekom-Euphorie dazu beitrug, die Aktienkultur in Deutschland massiv zu schädigen. Gerade in der aktuellen Null- und Niedrigzinsphase sind Wertpapiere langfristig die sinnvollste Anlage – wenn man die Risiken breit streut und Rückschläge aussitzen kann. Davon jedoch wollen viele Deutsche nichts mehr wissen, horten ihr Vermögen auf Spar- oder Tagesgeldkonten und verlieren so Monat für Monat an Werten.