Geld-Geschichte(n) – Teil 5: Schwarzer Donnerstag

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: der große Börsencrash am 24. Oktober 1929.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebten in Amerika viele die „Goldenen Zwanziger“ als Zeit voller Optimismus und Wirtschaftswachstum. Immer mehr Menschen, auch Kleinanleger, investierten Geld an der Börse. Schätzungsweise jeder vierte US-Haushalt besaß zu dieser Zeit Aktien. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert heute bei nur etwa sechs Prozent.

Viele Amerikaner nahmen für ihre Investments Kredite auf – ein klassisches Indiz für eine sich ungesund steigernde Euphorie. Der Börsenboom lockte auch zahlreiche Firmen ohne funktionierendes Geschäftsmodell an, die Geld einsammelten, es aber nicht im Sinne von mehr Wirtschaftswachstum investieren konnten.

Immer mehr Experten warnten vor der Börsen-Blase: "Wenn schon Schuhputzer Dir Aktientipps geben, ist es Zeit, Aktien zu verkaufen“, lautet ein vielzitierter Ausspruch von Joseph Kennedy, dem Vater des späteren US-Präsidenten. Im Laufe des Jahres 1929 trübte sich die US-Wirtschaft ein, die Stimmung drehte. Im September wurde die Diskrepanz zwischen Aktienwerten und ökonomischer Realität offenbar, und immer mehr erfahrene Anleger verkauften ihre Wertpapiere. Der Aktienindex Dow Jones begann zu sinken – erst langsam und dann immer schneller.

50 Prozent Wertverlust binnen einer Woche

Am „Schwarzen Donnerstag“, den 24. Oktober, brach am späten Vormittag eine Panik an der Börse aus, die zum vollständigen Kurseinbruch führte. Innerhalb einer Woche verlor der Dow Jones über die Hälfte seines Wertes.

Die Folgen waren dramatisch. Millionen Anleger verloren ihr Geld, Unternehmen kollabierten, die Arbeitslosenquote stieg exorbitant und Menschen mussten aus ihren Häusern ausziehen und wurden obdachlos. Gerade diejenigen, die Aktien „auf Pump“ gekauft hatten, waren besonders betroffen. Die eingetretene Weltwirtschaftskrise sollte das Weltgeschehen der nächsten Jahre bestimmen.

Hierzulande ist der Börsencrash übrigens eher als „Schwarzer Freitag“ bekannt. Das hat den einfachen Grund der Zeitverschiebung. Als der Dow Jones in Amerika zusammenbrach, waren die europäischen Börsen schon geschlossen. Erst am Freitag erfasste die Panik dann auch die Handelsmärkte Europas.