Geld-Geschichte(n) – Teil 2: Börsen-Debüt

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: das erste Börsentreffen nach Ende des Krieges am 14. September 1945.

Die aktuelle Kalenderwoche war 1945 für den deutschen Devisenhandel eine ganz besondere – denn am 14. September nahm die deutsche Börse in Frankfurt am Main den nichtamtlichen Handel erstmals nach dem Krieg wieder auf.

Ein großer Schritt für den Wertpapierhandel in Deutschland – auch wenn die Rahmenbedingungen noch dürftig waren: Das alte Börsengebäude in der Frankfurter Neustadt war im März 1944 bei Luftangriffen schwer getroffen worden. Daher braucht es ein Ausweichquartier. Die Börse fand es in einem provisorisch hergerichteten Kellerraum der Industrie- und Handelskammer.         

33 Händler und unzählige verschollene Aktien

Am ersten Handelstag fanden sich dort 30 Banken und 3 Makler ein. Das Angebot an Aktien war – heute unvorstellbar – ausgesprochen knapp. Denn es gab noch keinerlei elektronische Aufstellungen über verfügbare Bestände, gehandelt wurden nur tatsächlich in Papierform vorliegende Wertpapiere. Und ein Großteil der vor dem Krieg ausgegebenen Aktien lagerte noch in Tresoren von Großbanken und Reichsbank im sowjetischen Sektor von Berlin oder war beim Einmarsch der Alliierten vernichtet oder gestohlen worden. Notgedrungen beschränkte sich der Handel daher auf Papiere, die im Westen verwahrt worden waren.

Teilweise mussten nach und nach Aktien neu ausgefertigt werden. Auch das jedoch gestaltete sich kompliziert, weil auch später noch immer wieder alte Wertpapiere in Umlauf kamen, die längst als verloren galten. Von manchen Firmen kursierten daher zeitweise doppelt so viele Aktien, wie eigentlich vorgesehen waren, schreibt das Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde.

Aufgrund der vielen Hemmnisse dauert es noch bis 1949, bis der offizielle amtliche Handel wiederaufgenommen wurde und die Frankfurter Wertpapierbörse allmählich ihre alte Bedeutung zurückgewann. Ab 1956 war in Deutschland dann wieder der Kauf ausländischer Aktien erlaubt, was die Bedeutung der Börsen schlagartig steigerte – oder, wie es die Börse Frankfurt selbst in ihrer Chronik schreibt – entscheidend dazu beitrug, dass sie als „Kapitalvermittler“ zum Wiederaufbau des Landes und dem späteren Wirtschaftswunder beitrugen.