Warum die Abgeltungsteuer erhalten bleiben sollte

Steuergeschenk für die Reichen? Oder sinnvolle Steuer-Vereinfachung? Sieben Jahre nach ihrer Einführung wird erneut über Pro und Contra der Abgeltungsteuer diskutiert

Seit 2009 kassiert der Fiskus bei Kapitalerträgen pauschal 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Hintergrund für diese Entscheidung war die Sorge vor einer Kapitalflucht ins – niedriger besteuerte – Ausland. Dort anfallende Erträge wurden hiesigen Steuerbehörden ja in der Regel nicht bekannt und somit konnte hierzulande darauf keine Steuer erhoben werden. „Lieber 25 Prozent von X als 42 Prozent von nix“, hieß es damals.

Ab Ende 2017 wollen nun 51 Staaten, darunter auch Deutschland, Finanzdaten automatisch austauschen. Somit entfiele also ein zentrales Argument für die Einführung der Abgeltungsteuer.

Die Abgeltungsteuer vereinfacht die Steuererklärung

Allerdings hat die Abgeltungsteuer weitere Vorteile: So reduziert sie massiv die Bürokratie. Denn Banken führen sie sofort ab, wenn Kursgewinne beim Aktienverkauf anfallen oder der Anleger Dividenden erhält. Die Deutsche Kreditwirtschaft warnt vielmehr vor gravierenden Nachteilen, wenn die Abschaffung käme: Dann müssten unter anderem das Teileinkünfteverfahren, der Abzug von Werbungskosten und Spekulationsfristen wieder eingeführt werden. Das verkompliziere die Besteuerung für Bürger und Finanzbehörden. Auch die gerechtere Steuerbasis sei dann hinfällig, die mit der verbreiterten Bemessungsgrundlage geschaffen worden sei.

Völlig ungewiss sei zudem, so die deutschen Banken und Sparkassen, ob die Abschaffung zu Mehreinnahmen führe. Und: Deutschland würde sich damit gegen einen europäischen Trend stellen. 15 europäische Länder besteuern Zinserträge mittlerweile einheitlich.