Jugend und Altersvorsorge: Nie war sie so wichtig wie heute

Gut 30 Jahre ist es nun her, dass Norbert Blüm im Wahlkampf 1986 sein wohl bekanntestes Zitat prägte: „Die Rente ist sicher.“ Leider hat die Realität den früheren Arbeitsminister inzwischen widerlegt – was allerdings offenbar noch nicht überall angekommen ist: Junge Menschen in Deutschland zumindest machen sich nur wenige Gedanken über ihr Auskommen im Alter. Das ist einerseits verständlich und war vermutlich nie anders. Andererseits war eine zusätzliche private Vorsorge in früheren Zeiten eben auch nicht so dringlich. 

Generell ist die „Generation Y“ auch bereit, fürs Alter vorzusorgen. Allerdings verfolgt nur eine Minderheit eine dafür angemessene Strategie. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Versorgungswerks, für die TNS Infratest 2.500 junge Leute im Alter zwischen 17 und 27 Jahren zur Altersvorsorge befragt hat. 

Der zentrale Befund: Obwohl die meisten wissen, dass ihre gesetzliche Rente später nicht reichen wird, um ihren Lebensstandard zu sichern, tut nur rund ein Drittel (35%) regelmäßig etwas für ihre Altersvorsorge. Nimmt man jene hinzu, die noch „ab und zu“ einen Sparbeitrag fürs Alter leisten, steigt der Anteil auf knapp die Hälfte (49%). Zu wenig, wenn man bedenkt, dass von dem Problem eines massiv gesunkenen Rentenniveaus später alle betroffen sein werden. 

Als Gründe  für die geringe Vorsorge führen die Studien-Autoren an, dass junge Erwachsene in die staatlich geförderten Modelle der Altersvorsorge zu wenig Vertrauen haben oder zu wenig Geld dafür – oder beides. Auch nach Jahren der Rentendiskussion und -reform habe sich in Deutschland keine Kultur zusätzlicher Vorsorge entwickelt. 

Tatsächlich zeigt die Tendenz bei den jungen Befragten sogar noch in die entgegengesetzte Richtung. Der Anteil, der vorsorgt, ist gegenüber einer Vorgängerstudie von 2010 sogar zurückgegangen: von 38 auf 35% bei den regelmäßig Sparenden und von 55 auf 49% bei allen. Abgesehen davon bleibt offen oder ist gar fraglich, ob die Ansparleistungen derjenigen, die vorsorgen, wirklich reichen, ihre Rentenlücke zu schließen. 

Zwar stieg der Anteil der Vorsorgesparer, die sich für eine betriebliche Altersvorsorge entschieden haben, seit 2010 von damals 31 auf heute 40 Prozent. Parallel dazu sank jedoch der Anteil der Riester-Produkte oder privaten Renten-/Lebensversicherungen zum Teil deutlich.

Sehr großer Zukunftsoptimismus der „Generation Y“

Die zögerliche Bereitschaft zur konkreten Vorsorge könnte seinen Grund auch in dem nochmals gestiegenen Zukunftsoptimismus haben, mit dem die Jugend offenbar ausgestattet ist. Fast drei Viertel (73%) der jungen Leute gehen von einer für sie guten oder sehr guten persönlichen Entwicklung aus. Die Zuversicht ist grundsätzlich sicher nicht ungerechtfertigt: Kaum eine andere Generation hat in Deutschland jemals bessere berufliche Perspektiven gehabt, als die heutige so genannte Generation Y. Doch der demografische Wandel führt eben nicht nur zu einem Mangel an Arbeitskräften, was den Berufseinsteigern große Chancen bietet. Er bedeutet leider auch, dass immer weniger Erwerbstätige in die Sozialversicherungssysteme einzahlen – mit den bekannten Folgen.

Altersvorsorge per Gesetz: wieso nicht?

Interessant ist, dass „automatische“ Sparregeln bei den jungen Befragten auf hohe Akzeptanz stoßen. Während personalisierte Erinnerungen an selbst gesteckte Sparziele weniger beliebt sind, scheinen sich die Jugendlichen einen Automatismus zu wünschen, der sie vom lästigen Thema Altersvorsorge und damit verbundenen eigenverantwortlichen Entscheidungen ganz befreit. 

65%, also fast zwei Drittel, hätten jedenfalls kein Problem damit, wenn der Gesetzgeber ihnen vorschreiben würde, einen bestimmten Teil des Gehalts für die Altersvorsorge zurückzulegen. Und wenn eine solche Sparregel mit einer Ausstiegsmöglichkeit (Opt-out) und einem staatlichen oder betrieblichen Zuschuss verbunden wäre, könnten sich sogar neun von zehn Befragten mit einem solchen, auf sanftem Paternalismus beruhenden „Stupser“ (Nudge) anfreunden.

Der Artikel wurde, leicht angepasst, aus der aktuellen Ausgabe des BdB-Magazins inter|esse übernommen. Alle Ausgaben des Magazins finden Sie hier