Geld-Geschichte(n) – Teil 12: 25 Jahre Maastricht-Vertrag

Der Tag, als der Euro geboren wurde

In unserer Reihe „Geld-Geschichten” blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben einst in dieser Kalenderwoche Märkte und Menschen bewegt? Heute: das 25. Jubiläum des Maastricht-Vertrages vom 7. Februar 1992 - den viele als Geburtsstunde des Euro sehen.

Die Idee einer einheitlichen Währung für Europa gab es schon lange vor 2002. Doch zwischen den ersten konkreten Planungen und der Einführung des Euro-Bargeldes zum Jahreswechsel 2001/2002 lag weit mehr als ein Jahrzehnt. 

Ende der 80er erarbeitete eine Gruppe um den französischen Sozialisten Jacques Delors einen Plan, wie man eine gemeinsame Währung realisieren könnte. Eine gute Idee zur falschen Zeit. Damals hatte Europa andere Herausforderungen zu lösen. Erst nachdem der Eiserne Vorhang fiel, bekam das Vorhaben den nötigen Schwung. 

Ein Meilenstein stellte der 7. Februar 1992 dar. Beim Treffen der - damals zwölf - EU-Mitgliedsstaaten im niederländischen Maastricht unterschrieben sie den berühmt gewordenen „Vertrag über die Europäische Union”, besser bekannt als „Maastricht-Vertrag”. Seit diesem Tag spricht man von der EU. 

Klare Spielregeln für die Euro-Mitgliedschaft

Eine zentrale Säule des Vertrages waren die Absichts- und Beitrittsbedingungen zur gemeinsamen Währung und Regelungen für Aufgaben und Strukturen einer Europäischen Zentralbank. Das Papier war nicht der Nukleus des Euro, aber konkretisierte die Ideen und schaffte die nötigen Strukturen und Regeln. Zu letzteren gehörten unter anderen die sogenannten Konvergenzkriterien. Um Mitglied der Währungsunion zu werden, müsse ein Land vier Kriterien erfüllen, regelte Maastricht: 

  • Preisstabilität: Die Inflationsrate des Beitrittslandes darf maximal 1,5 Prozent über der Inflationsrate der drei preisstabilsten EU-Länder liegen. 
  • Höhe der langfristigen Zinsen: Sie darf höchstens zwei Prozent über den Zinssätzen der drei Länder mit der geringsten Inflationsrate innerhalb der EU liegen. 
  • Wechselkursstabilität:  Vor dem Beitritt durfte die eigene Währung mindestens zwei Jahre lang nicht abgewertet worden sein. Zudem durfte der Wechselkurs gegenüber dem Euro in der Zeit um höchsten 15 Prozent schwanken. 
  • Haushaltsdisziplin: Die Gesamtverschuldung darf 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) nicht überschreiten. Zudem darf das jährliche BIP-Defizit des Beitrittslandes nicht mehr als drei Prozent des BIP betragen. 

Diese vier Prinzipien waren von Beginn an eine Art „Grundgesetz“ der Währungsunion. Umso größer auch der Unmut und die Kritik, als nach und nach immer mehr Mitgliedsstaaten einzelne der vier Punkte nicht mehr einhielten.

Von einer einheitlichen Währung erhofften sich die Mitgliedsstaaten nicht nur einen Fingerzeig für die weitere politische Einigung des Kontinents, sondern vor allem direkte wirtschaftliche Vorteile. Ganz zentral war zum Beispiel ein Ende der Währungsschwankungen. Zuvor mussten Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen etwa zwischen Frankreich und Deutschland oder Österreich und Italien kauften und verkauften, immer plötzliche Wechselkursänderungen einkalkulieren. 


Zehn Jahre nach dem Maastricht Vertrag wurde der Euro am 1. Januar 2002 offizielles Zahlungsmittel. Dafür wurden 52 Milliarden Euro-Münzen und 15 Milliarden Scheine hergestellt. In Deutschland bekam man für etwa zwei Mark einen Euro. Den genauen Umrechnungskurs finden Sie hier in unserem historischen Währungsrechner. 

Als Caesar gegen Theo Waigel verlor 

Übrigens: Über den Namen des neuen Geldes waren sich die Staaten lange uneinig gewesen. Die Franzosen wollten es „Ecu“ nennen, in Anlehnung an eine altfranzösische Münze. Das gefiel aber den Deutschen nicht. Vorschläge aus anderen Ländern gab es viele: Taler, Franken, Krone, Euro-Mark, Caesar. Nach langen Diskussionen einigte man sich dann auf eine Idee des damaligen deutschen Finanzministers Theo Waigel: Euro. 

Interessante Fakten zu den ehemaligen Währungen der Euro-Staaten, wie zum Beispiel der spanischen Peseta oder dem französischen Franc, haben wir in einer Serie zusammengefasst.