Geld-Geschichte(n) – Teil 11: Tulpenmanie – der erste Börsencrash der Geschichte

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: der Beginn des ersten Börsencrashs am 3. Februar 1637.

Blumen haben nicht nur viele Beziehungen gerettet: Sie haben auch den ersten Börsencrash der Geschichte ausgelöst – und das lange vor der Dot.com-Blase oder Lehman Brothers.

Im 16. Jahrhundert kamen die ersten Tulpen aus der Türkei in die Niederlande. Das war der Beginn eines regelrechten Hypes: Aus den einfarbigen, schlichten Tulpen wurden neue Sorten gezüchtet und für horrende Preise verkauft. Im Jahr 1623 galt besonders die „Semper Augustus“ als außergewöhnliche und seltene Sorte. Ihre Zwiebeln wurden zu Beginn für 1.000 Gulden pro Stück verkauft.

Zum Vergleich: Für diesen Betrag mussten normale Arbeiter in Holland damals sechs Jahre lang arbeiten. Zehn Jahre später kostete eine Zwiebel der „Semper Augustus“ schon 5.000 Gulden. Am Höhepunkt der Tulpenmanie zu Beginn des Jahres 1637 tauschten Holländer für diese Tulpe sogar Grachtenhäuser in bester Lage von Amsterdam ein.

Tulpen wurden nicht nur zu einem Statussymbol der holländischen High Society – egal, ob als Haarschmuck oder im Vorgarten. Aufgrund der explodierenden Preise mauserten sich die Zwiebeln zudem zu einem beliebten Spekulationsobjekt. Immer mehr Menschen wollten an den Preissteigerungen verdienen. Das verlockte die Tulpen-Unternehmer vermehrt zu Zwischengeschäften und Luftbuchungen: Floristen verkauften Tulpen, die sie nicht liefern konnten, an Leute, die diese Zwiebeln nie einpflanzen wollten.

Die geplatzte Tulpenblase

Am 3. Februar 1637 war die Erfolgsgeschichte der Tulpe schließlich vorbei. Bei einer Auktion von Zwiebeln im holländischem Haarlem hob kein Interessent mehr die Hand – auch nicht, als der Auktionator den Preis herunter setzte. Unter den Händlern verbreitete sich schnell Panik: Tagelang versuchten sie vergeblich, ihre Zwiebeln zu verkaufen – ohne Erfolg. Die Tulpenblase war geplatzt. Der Preis mancher Zwiebeln fiel um bis zu 95 Prozent und stürzte alle in den Ruin, die nicht rechtzeitig verkauften.

Um den Handel zu beruhigen, riefen die Tulpen-Unternehmer am 7. Februar 1637 eine große Versammlung in Amsterdam ein. Obwohl der Staat eingriff, versuchte zu schlichten und eine Kommission für nicht eingehaltene Kaufverträge einrichtete, gingen die Spekulanten reihenweise pleite.

Die Tulpe überstand diesen Wahnsinn jedoch: Bis heute ist Holland die Hochburg der Tulpenzucht. Jeden Frühling blühen hier zirka zwei Milliarden Tulpen – einfarbig, schlicht und billig.