Reich, aber kurzsichtig – so ticken die deutschen Sparer

Für 56.000 Euro Erspartes könnten Sie sich ein ziemlich sportliches, nagelneues Coupe eines ziemlich gefragten bayerischen Autoherstellers kaufen. Für viele ist schon diese Summe illusorisch. Noch unvorstellbarer ist es, wenn man 17,9 Millionen dieser bayerischen Sportwagen kaufen könnte.

Ganz so absurd sind die Zahlen jedoch gar nicht: Die nötigen 5,6 Billionen Euro, der Gegenwert eben jenes “Groß-Fuhrparks”, sind das Geldvermögen, das die Bundesbürger Ende 2016 gespart hatten. Trotz Niedrigzinsen sind dies nochmals knapp fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wie sich das Vermögen aufteilt, zeigt unsere Grafik:

Das Vermögen der Deutschen

Die drei wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Obwohl es kaum Zinsen gibt, sind die Deutschen weiterhin extrem risikoscheu.
    So halten die privaten Haushalte mehr als zwei Billionen Euro auf Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Hinter dem Begriff verbergen sich vor allem Sparbücher, Giro- und Tagesgeldkonten. Noch etwas mehr Geld haben sie bei Versicherungen und Pensionskassen inklusive berufsständischen Versorgungswerken angelegt. Interessant: Die in Schuldverschreibungen investierte Summe, darunter fallen vor allem festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen, ist zurückgegangen. Hier wirkt sich die anhaltende extreme Niedrigzinspolitik offenbar aus.
     
  2. Die Aktienkultur bleibt unterentwickelt: Nur 373 Milliarden Euro oder knapp sieben Prozent des Geldvermögens entfallen auf Aktien. Zwar stieg das Aktienvermögen gegenüber 2015 mit plus neun Prozent überdurchschnittlich. Ein beträchtlicher Teil davon sind jedoch Kurssteigerungen und keine Neuanlagen. Nüchtern betrachtet ist die Aktien-Aversion der Deutschen kurzsichtig. Denn die Erfahrung zeigt, dass – aller Schwankungen der Kurse zum Trotz – durchschnittliche Renditen von etwa fünf bis zehn Prozent im Jahr möglich sind, wenn man Wertpapiere langfristig hält. “Langfristig” heißt hier ein bis zwei Jahrzehnte oder noch länger. Auf lange Frist sind Aktien sogar wertstabiler als Anleihen.
     
  3. Die Unsicherheit bei vielen ist scheinbar groß, was die richtige Geldanlage angeht. Darauf deutet zumindest hin, dass immer mehr Deutsche ihr Geld bar “horten”. Dieser Anteil am Geldvermögen ist um rund 18 Prozent gestiegen – doppelt so stark also wie der Vermögenszuwachs bei Aktien.