Der Schatz im Portemonnaie

Der Sommerurlaub bietet viele Eindrücke – auch im Geldbeutel, denn da halten plötzlich ganz neue Münzen Einzug. Das gilt nicht nur in Übersee, sondern auch in den Ländern der Eurozone. Jedes Mitglied prägt eigene Motive, manche davon sind echte Raritäten. Doch woran erkenne ich den Wert einer Münze? Und was mache ich dann damit? Tanja Beller vom Bankenverband gibt hilfreiche Tipps.

Es heißt, dass manche Euro-Münzen, die man zufällig von einer Reise mitgebracht hat, deutlich wertvoller sind als man denkt – auf welche Münzen trifft das zu?
TANJA BELLER: Wer Glück hat, findet beispielsweise Münzen aus San Marino, dem Vatikan oder Monaco im Portemonnaie. Dafür werden in Sammlerkreisen durchaus höhere Beträge gezahlt, weil die Münzen nur in sehr geringen Auflagen geprägt wurden. Oder Ihnen fällt eine Zwei-Euro-Sonder- oder -Gedenkmünze in den Schoß. Die werden in manchen Ländern ebenfalls nur in überschaubarer Stückzahl gefertigt. In Deutschland sind die Auflagen der Zwei-Euro-Gedenkmünzen allerdings so groß, dass sie keinen besonderen Wert haben.

Welche Merkmale weisen bei den Münzen auf einen höheren Wert hin? Entscheidend ist die Höhe der Auflage, am Äußeren der Münze erkennen Sie die jedoch nicht. Im Internet lässt sich das schnell recherchieren. Auch Informationen zu dem erzielbaren Wert finden Sie am besten online.

Was hat es mit den Euro-Münzen auf sich, die einen farbigen Kunststoffring besitzen? Das sind die neuen Fünf-Euro-Sondermünzen, die bisher nur in Deutschland ausgegeben wurden – und auch nur hier als Zahlungsmittel gelten. Aktuell leuchtet der Kunststoffring in zwei verschiedene Farben: Die Münze mit dem blauen Rand von 2016 trägt den Namen „Planet Erde“, die mit dem roten Ring von 2017 heißt „Tropische Zone“; weitere Motive und Farben folgen in den kommenden Jahren. Von der blauen Münze gibt es beispielsweise in der Sammlerqualität Spiegelglanz lediglich eine Auflage von 250.000 Exemplaren. Daher werden davon eher selten tatsächlich welche im Umlauf sein.

Von Fehlprägungen und Starter-Kits

Ab und an kommt es auch zu Fehlprägungen, bei denen zum Beispiel das Motiv verrutscht ist. Solche Münzen sollen besonders wertvoll sein, stimmt das? Es gibt tatsächlich Sammler, die sich für Fehlprägungen interessieren. Das ist aber ein kleiner und sehr spezieller Markt, darum kann man generelle Aussagen über mögliche Wertsteigerungen nicht treffen. Als Verbraucher darauf zu hoffen, ein solches Exemplar zu finden, ist auch eher illusorisch.

Zur Euro-Ausgabe 2002 kamen sogenannte Starter-Kits auf den Markt. In Deutschland waren das 20 neue Münzen mit einem Gesamtwert von damals 20 D-Mark. Welchen Wert haben solche Sets inzwischen? Der Wert der üblichen Starter-Kits liegt auch heutzutage nicht sehr weit über dem umgerechneten Nennwert von 10,23 Euro. Eine Ausnahme stellen Sets von Kleinstaaten wie Monaco dar; auch die Auflagen der Kits aus Irland und Finnland waren deutlich kleiner als bei uns. Interessierte können sich am besten bei Münzhändlern informieren.

Wie geht man vor, wenn man eine ungewöhnliche Euro-Münze im Portemonnaie gefunden hat – erst zur Bank, dann zu einem Münzsammler gehen und die Gebote vergleichen? Zunächst würde ich im Internet schauen, in welcher Auflage die Münze geprägt wurde. Sehr schnell sieht man dann auch, zu welchen Preisen diese gehandelt werden. Danach kann ich mich an einen interessierten Händler oder Sammler wenden.

Und wie finde ich einen seriösen Münzsammler? Es gibt in Deutschland zahlreiche Vereine, die in der Deutschen Numismatischen Gesellschaft als Dachorganisation zusammengefasst sind. Dort findet man auf jeden Fall vertrauenswürdige Fachleute.