Kleines Geld mit großer Bedeutung

Fotos: Münzhandelshaus Historia Hamburg

Am Kaffeeautomaten, der Parkuhr oder beim Bäcker: Kleingeld braucht man jeden Tag. Dass man dabei jedoch nicht nur ein paar Metallscheiben in der Hand hält, sondern bekannte Persönlichkeiten, Kunstschätze und Naturdenkmäler, übersieht man leicht. Wir haben uns die Rückseiten der Euromünzen genauer angesehen – und erklären Ihnen in unserer Serie, was sich hinter den Motiven verbirgt.

Folge 5: Italien – mehr als Pasta und Amore

Unsere italienischen Nachbarn ließen sich bei der Vielfalt ihrer Münzen nicht lumpen: Jede ist anders gestaltet, nicht weniger als acht verschiedene Motive finden sich auf der Rückseite ihres Kleingelds. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur drei. In einer Fernsehshow konnten die Italiener einst ihre Favoriten wählen – und entschieden sich ausschließlich für bedeutende Kunst- und Bauwerke.

Auf der 2-Euro-Münze ist ein Abbild Dante Alighieris zu sehen. Italiens berühmtester Dichter wird häufig in einem Atemzug mit Goethe und Shakespeare als eines der drei überragenden Genies westeuropäischer Literatur genannt. Dante verfasste Werke wie die „Göttliche Komödie“ bereits vor rund 700 Jahren – doch bis heute dienen seine Texte als Vorlage für Künstler auf der ganzen Welt. Das Porträt Dantes auf der Münze stammt von einem Fresko Raffaels, der zu den bekanntesten italienischen Künstler der Hochrenaissance zählt.

In die 1-Euro-Münze ist „Der vitruvianische Mensch“ von Leonardo da Vinci geprägt. Der Universalgelehrte da Vinci lebte zur gleichen Zeit wie Raffael; Kunst, Anatomie, Mechanik und Geologie waren nur einige seiner Interessen. Berühmtheit erlangte er vor allem durch seine detailgetreuen Skizzen des menschlichen Körpers. Eines seiner bekanntesten Werke, die Federskizze „Der vitruvianische Mensch“, basiert auf Überlegungen des römischen Architekten Vitruv zu den „perfekten“ Proportionen unserer Spezies.

Philosophenkaiser und nackte Venus

Auf dem Kapitolsplatz in Rom befindet sich ein Reiterstandbild des einstigen Kaisers Marcus Aurelius, der auch als Philosoph bekannt war. Die Statue steht im Zentrum eines von Michelangelo entworfenen sternförmigen Kunstwerks am Boden – allerdings nur als Kopie, das Original wird witterungsgeschützt im Hof des angrenzenden Konservatorenpalasts aufbewahrt. Statue wie auch Bodenschmuck wählte man als Motiv der 50-Cent-Münze. „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ – so lautet der Titel der Skulptur, die die 20-Cent-Münze ziert. Das 1913 vom Futuristen Umberto Boccioni gefertigte Werk soll das Gefühl von Bewegung sichtbar machen. Ein Zeitgenosse der bereits erwähnten da Vinci, Raffael und Michelangelo erschuf die Vorlage für die 10-Cent-Münze: Sandro Botticelli. Sein um 1485 entstandenes Gemälde „Die Geburt der Venus“ , das die römische Göttin nackt in einer Muschel zeigt, inspiriert bis heute unzählige Künstler.

Kleine Münzen mit großen Bauten

Das Kolosseum ziert die 5-Cent-Münzen, das größte je gebaute Amphitheater. Fertiggestellt im Jahr 80 n.Chr. diente das architektonische Meisterwerk jahrhundertelang als Schauplatz für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen. 2007 wurde es (als einziges Bauwerk in Europa) zu einem der „neuen 7 Weltwunder“ gewählt. Ein weiteres Bauwerk findet man auf dem 2-Cent-Stück: die „Mole Antonelliana“. Der 168 Meter hohe Turm des Architekten Alessandro Antonelli war bei seiner Eröffnung 1889 das zweithöchste begehbare Gebäude der Welt. Heute beherbergt das Wahrzeichen Turins (Foto unten) ein Filmmuseum.

Zu guter Letzt zur 1-Cent-Münze: Die Wahl des Motivs fiel auf das „Castel del Monte“, ein Schloss in Apulien, das ab 1240 als Residenz des Stauferkaisers Friedrich II. erbaut wurde. Hauptgebäude und Türme des Bauwerks haben allesamt eine oktogonale (achteckige) Form – über den Grund dafür wird bis heute gerätselt.