Kleines Geld mit großer Bedeutung - Teil 4

Fotos: Münzhandelshaus Historia Hamburg

Kaum ein Tag vergeht, ohne Kleingeld in der Hand zu haben – doch nur wenige werfen dabei einen genaueren Blick auf die Münzen. Schade eigentlich, denn jede von ihnen zeigt auf der Rückseite ein anderes Motiv, das auf Kultur, Geschichte oder Natur der Euroländer verweist. Unsere Serie erklärt, was hinter den einzelnen Abbildungen steckt.

Folge 4: Andorra – Kleinstaat in den Pyrenäen

Für das zwischen Frankreich und Spanien gelegene Fürstentum bedeutete die Einführung des Euro-Bargeldes 2002 einen doppelten Abschied. Denn zuvor waren dort der französische Franc sowie die spanische Peseta offizielle Zahlungsmittel gewesen. Die ersten zwölf Jahre danach hatten die Andorraner allerdings nur Euro aus den Nachbarländern im Portemonnaie: Das Steuer- und Bankenrecht behinderte lange eine Einigung mit der EU über die Ausgabe eigener Münzen, die andere Kleinstaaten wie Monaco oder San Marino von Beginn an hatten. Erst seit Ende 2014 sind erstmals andorranische Euro-Münzen erhältlich; sie zeigen insgesamt vier verschiedene Motive.

Detailreiches Landeswappen

Auf der 2-Euro-Münze des Fürstentums ist das Landeswappen zu finden. Es spiegelt die Geschichte des Landes, die stets zwischen spanischer und französischer Einflussnahme lavierte: Zu sehen sind Mitra und Hirtenstab des Bischofs von Urgell, drei rote Pfähle für die Grafen von Foix, zwei Kühe für die Adelsfamilie von Béarn und vier Pfähle für die Region Katalonien. Hintergrund der für Euro-Münzen ungewöhnlich detailreichen Gestaltung: Im 13. Jahrhundert unterzeichneten Bischof und Graf zwei Abkommen zur Teilung weltlicher und geistlicher Macht in Andorra, welche über Jahrhunderte richtungsweisend waren. Über das Haus von Béarn ging die Mitherrschaft an den französischen Präsidenten über, der bis heute zusammen mit dem Bischof von Urgell das Staatsoberhaupt Andorras ist. Zu guter Letzt: Das Land grenzt an die spanische Region Katalonien, und die meisten Andorraner sprechen Katalanisch.

Bauwerke mit Geschichte

Die 1-Euro-Münze trägt ein Abbild der „Casa de la Vall“. Das „Haus des Tales“ wurde Ende des 16. Jahrhunderts in der Hauptstadt Andorra la Vella als Herrenhaus erbaut. Ab 1702 war es Sitz des andorranischen Parlaments und diente zugleich als Gerichtsgebäude. Aus Platzgründen musste die Politik 2011 umziehen, seitdem beherbergt die „Casa de la Vall“ ein Museum. Auf den 50-, 20- und 10-Cent-Münzen ist die Kirche von Santa Coloma zu sehen. Sie befindet sich in der gleichnamigen Ortschaft nahe Andorra la Vella, Europas am höchsten gelegener Hauptstadt. Kennzeichnend für das prä-romanische Gebäude ist der Glockenturm mit runder Grundfläche, dessen Fenster sich mit jedem der vier Stockwerke vergrößern - statt wie üblich eher kleiner zu werden.

Tierische Bewohner der Pyrenäen

Die 5-, 2- und 1-Cent-Münzen Andorras zieren Abbilder einer Gämse und eines Bartgeiers. Anders als der Adler auf den deutschen Euro-Münzen haben die beiden Tiere jedoch keine politische Bedeutung. Vielmehr sind sie typisch für die Pyrenäen. Die Jagd auf die Pyrenäen-Gämse hat in Andorra lange Tradition, ist jedoch heute aus Gründen des Tierschutzes stark eingeschränkt. Der Bartgeier, der in Europa im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet war, ist inzwischen in den Pyrenäen wieder heimisch. Aktuell leben dort rund 60 Paare des größten europäischen Vogels – das ist ein erheblicher Teil der insgesamt nur 225 bis 250 Brutpaare auf unserem Kontinent.