Geldgeschichte(n) – Teil 20: Wie Gold seinen Wert vervielfachen konnte

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: Am 15. August 1971 beendet die USA die Goldbindung des Dollars.


Das Mount Washington Hotel in Bretton Woods, wo 1944 die wegweisende Konferenz stattfand

Im Juli 1944 hatten 44 Staaten im US-Städtchen Bretton Woods ein bedeutsames Abkommen vereinbart. Es sollte sicherstellen, dass der Welthandel reibungslos, das heißt mit stabilen Wechselkursen und frei von Handelsbarrieren abgewickelt würde. Dazu gab es zwei tragende Säulen:

1. Der US-Dollar fungierte als Leitwährung mit festen Wechselkursen.

2. Es wurde ein Gold-Devisen-Standard etabliert.

Damit verpflichtete sich die USA, jederzeit Gold sowohl an- als auch zu verkaufen – und zwar stets zum festgelegten Preis von 35 US-Dollar pro Feinunze (entspricht 31,1 Gramm Gold). Das fiel den USA damals nicht schwer: Zum Ende des Zweiten Weltkrieges verfügten die Vereinigten Staaten über 70 Prozent der weltweiten Goldbestände, so Zahlen der Bundesbank.

Am 15. August 1971 erklärte US-Präsident Richard Nixon jedoch die Loslösung von der Bretton-Woods-Vereinbarung. In einer TV-Ansprache begründete er diese Entscheidung mit dem Kampf gegen internationale Spekulanten, die sich auf Kosten des US-Dollars bereichern würden. Zudem wolle er damit die US-Währung wieder stabilisieren, so Nixon.

1973 scheitert Bretton Woods

Tatsächlich war das Festkurssystem schon vorher brüchig geworden; der US-Dollar hatte auch aufgrund des teuren Krieges in Vietnam stark gelitten und das Vertrauen als Leitwährung verloren. Weltweit begannen Notenbanken, Dollarreserven in Gold zu wechseln. Vor allem Frankreich verschiffte zahlreiche Container voller Edelmetall zurück nach Europa. Den USA drohte der Ausverkauf von Gold.

Nur gut anderthalb Jahre nach Nixons Rede wurde im März 1973 die Bretton-Woods-Vereinbarung endgültig Geschichte: Auf einem Ministerratstreffen der Europäischen Gemeinschaft beschlossen die Länder, ihre Wechselkurse künftig frei schwanken zu lassen. Auch Deutschland, das 21 Jahre zuvor dem Bretton-Woods-System beigetreten war, stimmte dem zu.

Nachdem das Abkommen außer Kraft gesetzt wurde, war es den Notenbanken möglich, bei Bedarf Geld zu drucken und in Umlauf zu bringen. Speziell die 1970er Jahre waren geprägt von einer hohen Inflation, die auch der starken Ausweitung der (Papier-)Geldmenge geschuldet war und eine Flucht der Kapitalanleger in Sachwerte zur Folge hatte.

Goldpreis steigt auf knapp 2.000 Dollar

Welche Folgen hatte das für den Goldpreis? Im September 1972, ein knappes Jahr nach der Loslösung vom Bretton-Woods-System, kostete eine Feinunze Gold bereits 68,75 Dollar. Schon damals wurde Gold seinem Titel als “sicherer Hafen” in Krisen gerecht. Politische Unruhen in Asien und am Persischen Golf (Iran-Krise, Einmarsch der Sowjets in Afghanistan) ließen den Goldpreis erst auf 500 und 1980 sogar auf mehr als 850 Dollar pro Feinunze steigen. Inflationsbereinigt entspräche dies heute mehr als 2.100 Dollar – Gold war also damals teurer, als es heute ist.


Beleg für das steigende Interesse am Gold: die jedes Jahr erscheinenden Euro-Goldmünzen der Bundesbank sind sehr gefragt.

Bis 2001 fiel der Preis wieder auf 257 US-Dollar pro Feinunze – um dann in nur zehn Jahren auf ein neues absolutes Rekordhoch zu steigen: 1.920,65 US-Dollar je Feinunze (umgerechnet 1.298€). Die Tendenzen und unsere Grafik zeigen, wie stark der Goldpreis schwankt, weswegen Gold für private Anleger auch immer nur eine Beimischung im Depot sein kann: