Drei Mythen über Geld: wahr oder falsch?

Aktien sind riskanter als Anleihen. Hört man oft, aber stimmt es? Wir haben die geläufigsten Meinungen rund ums Geld auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Hier nun Teil 2 – die drei ersten Mythen hatten wir ja schon vergangene Woche unter die Lupe genommen.

1. „Überweisungen kann man zurückziehen“

Zahlendreher in der Überweisung werden durch die Prüfziffer in der Kontonummer, der IBAN, in der Regel schon erkannt, so dass sie gar nicht erst ausgeführt wird. Sollte man aber einen falschen Betrag überwiesen oder das Geld an ein ganz anderes Konto als gewünscht überwiesen haben, was dann? Im Volksmund hört man dann oft: „Zieh die Überweisung doch einfach zurück.“ Aber geht das tatsächlich so einfach?

Heutzutage werden Überweisungen sehr schnell ausgeführt. Fällt Ihnen der Fehler auf, kontaktieren Sie am besten sofort Ihre Bank. Wurde die Überweisung noch nicht ausgeführt, kann sie den Vorgang eventuell noch stoppen und das Geld bleibt auf dem Konto. Ist der Betrag jedoch bereits an den falschen Empfänger überwiesen, müssen Sie einen Überweisungsrückruf starten. Hierfür gibt es ein extra Auftragsformular bei Ihrer Bank, die dann die Empfängerbank kontaktiert. Diese weist den Empfänger wiederum auf den Fehler hin und bittet um Rücküberweisung. Sollte sich der Kontoinhaber jedoch weigern, rät financescout24.de zu rechtlichen Schritten.

Fazit: Der Mythos ist nur bedingt wahr. Wichtig ist, dass Sie schnell reagieren.

2. „Auch heute kann man noch mit D-Mark bezahlen“

Die Einführung des Euro in Deutschland ist bereits mehr als 15 Jahre her, doch noch immer sind knapp 13 Milliarden D-Mark im Umlauf. Umtauschen kann man sie bei jeder Filiale der Bundesbank. Aber auch als Zahlungsmittel taugen die alten Scheine und Münzen weiterhin; zur Weihnachtszeit sieht man hin und wieder Stände mit einem Schild: „Bei uns können Sie noch mit DM zahlen“. Bis Anfang 2017 konnte man auch bei C&A alte D-Mark-Bestände loswerden. Seit der Euro-Einführung haben Kunden immerhin 50 Millionen DM bei der Modekette ausgegeben. Wie Pressesprecher Thorsten Rolfes auf Anfrage erklärt, hat die Modekette die Aktion jedoch eingestellt: In letzter Zeit kamen pro Jahr nur noch knapp 100.000 DM zusammen, dafür lohne sich der Aufwand nicht länger, so Rolfes.

Falls Sie noch DM besitzen und die Mühe scheuen, sie einzutauschen, bietet sich trotzdem regelmäßig die Chance, das Geld auszugeben. So veranstalten beispielsweise Karstadt und Kaufland immer wieder Aktionstage, bei denen Kunden mit DM bezahlen können. Zur Not warten Sie einfach auf den nächsten Weihnachtsmarkt!

Fazit: Dieser “Mythos” ist keiner, sondern eine Tatsache.

3. Geld in Anleihen anzulegen ist sicherer als in Aktien

“Schwarzer Freitag”, “Dotcom-Blase”, “Lehman Brothers-Pleite” – fragt man Aktien-Skeptiker, fallen denen prompt ganz viele Gründe ein, wieso Aktien zu riskant seien. Festverzinsliche Anleihen seien da doch sehr viel stabiler.

Wahr ist, dass Anleihen kurzfristig besehen weniger schwanken und es seltener Schock-Erlebnisse gibt mit zehnprozentigen Verlusten an einem Tag. Oder gar 80%-ige Kursrückgänge, wie manche Papiere sie nach der Lehman-Pleite und der US-Immobilienkrise 2008 erlebt haben. Das tat weh – und was weh tut, behalten wir Menschen länger in Erinnerung als positive Erlebnisse. Dass seitdem sämtliche Jahre (mit Ausnahme von 2011) gute bis sehr gute Aktien-Jahre waren, ist in der Erinnerung vieler weit weniger verankert als die massiven Verluste damals. Dass der Dax heute sogar 50% über den Kursen vor der Lehman-Pleite steht, wohl noch weniger.

Der berühmte US-Analyst und Investmentbanker Ken Fisher hat Risiken von Aktien und Anleihen verglichen. Sein Fazit: „Die Frage, ob Anleihen sicherer sind oder nicht, hängt davon ab, was man mit ‚sicher‘ meint.” Mit Blick auf die Volatilität, also die Tendenz zu Kursschwankungen, sind sie sicherer – aber, so Fischer, „nur über kürzere Zeiträume“. Langfristig betrachtet nehme die Volatilität von Aktien hingegen enorm ab. Das Fazit der Zeitung: “Wer die kurzfristigen höheren Schwankungen von Aktien in Kauf nimmt, wird langfristig belohnt.”

Zumindest hat dies die Historie gezeigt, wie Fishers Analyse der vergangenen 90 Jahre zeigt: Auf rollierende Zwölf-Monats-Zeiträume bezogen war die Rendite von Aktien in rund drei von vier Fällen positiv. Die viel größere Gefahr als zum falschen Zeitpunkt zu investieren, sei also, zum richtigen nicht zu investieren.

Fazit: Dieser Mythos ist falsch - zumindest langfristig betrachtet. Über einen längeren Zeitraum hinweg werfen Aktien einen höheren Ertrag ab als festverzinsliche Papiere. Geld in Anleihen ist also nicht sicherer als Geld in Aktien.