Kleines Geld mit großer Bedeutung - Teil 2

Welches ist das Land, in dem die meisten Deutschen sommerurlauben? Tatsächlich ist dies auch 2017 wieder: Deutschland selbst! Grund genug, im Rahmen unserer Sommerserie zu den Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern einen Blick auf das deutsche Kleingeld zu werfen. Die „europäische“ Seite der Münzen ist ja überall gleich, doch die „nationale“ variiert.

 

Deutsche Euro-Münzen

Fotos: Münzhandelshaus Historia Hamburg

Deutschland – Münzen voller Historie

Die 2002 eingeführten Euro-Münzen nahmen optische Anlehnungen an die alte Währung, die D-Mark: Die Standardausführungen tragen drei altbekannte Motive auf ihrer „Kopf“-Seite: Eichenlaub, Brandenburger Tor und Bundesadler. Zudem gibt es einige Sondermünzen als Sonderprägungen – sowohl 2- als auch 5- und 10-Euro-Münzen.

Der Bundesadler: ein traditionsreicher Vogel

Auf den 1- und 2-Euro-Münzen ist der Deutsche Bundesadler abgebildet. Der Adler als Staatssymbol besitzt hierzulande eine lange Tradition. Schon im Spätmittelalter zierte er die Wappen von Fürsten, Königen und Kaisern. Die bis dahin häufige Darstellung eines doppelköpfigen Adlers wich mit der Proklamation des Deutschen Reichs 1871 weitgehend der einköpfigen, preußischen Variante. Auch in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus’ blieb der Adler Staatssymbol. 1950 wurde die einköpfige, nach rechts blickende und frei schwebende Variante ohne Krone als bundesdeutsches Wappentier festgelegt. Die exakte Ausgestaltung wird je nach Verwendungszweck angepasst. So findet sich auf den Euromünzen ein etwas anderes Design als auf dem Wappen des Bundestages oder dem des Bundespräsidenten.

Das Brandenburger Tor: Zeichen für Frieden und Einheit

Auf der 50-, der 20- und der 10-Cent-Münze ist das Brandenburger Tor eingeprägt. König Friedrich Wilhelm II. ließ das damals noch „Friedenstor“ genannte Bauwerk zwischen 1788 und 1791 bauen. Ursprünglich trug es eine Statue der Friedensgöttin Eirene, welche in einem von vier Pferden gezogenen Wagen, der Quadriga, stand. Nach der Befreiung Preußens Sieg von der napoleonischen Herrschaft 1814 ersetzte die griechische Siegesgöttin Victoria die ursprüngliche Figur und das „Friedenstor“ hieß fortan „Siegestor“. Die Metaphorik wandelte sich erneut durch die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg, nun wurde das Tor zum Symbol der Trauer. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg lag ein Schatten über dem Bauwerk: Seit dem Mauerbau 1961 befand es sich in der  „Sperrzone“ und stand so mahnend für die Teilung Deutschlands. Durch Mauerfall und Wiedervereinigung 1989/90 wurde es zum Symbol für das neue, vereinte Deutschland – eine Rückbesinnung auf das einstige „Friedenstor“.

Das Eichenblatt: altes Symbol in neuem Glanz

Die 5-, 2- und 1-Cent-Münzen Deutschlands schmückt ein Eichenblatt. Ebenso wie das Adlersymbol lässt sich die Verwendung der Eiche als Zeichen für Stärke, Leben und Unsterblichkeit bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Bereits bei der Gründung des Deutsches Reichs 1871 stand das Blatt der „Deutschen Eiche“ stellvertretend für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Nation und wurde gezielt auf Denkmälern, Orden und Kränzen genutzt. Die Eiche fand dann auch Eingang in die Symbolik der Bundesrepublik. So zierte sie bereits vor der Euro-Einführung mehrere Pfennig-Münzen sowie den (alten) 5-DM-Schein.