Kleines Geld mit großer Bedeutung

In 19 von 28 EU-Mitgliedsländern ist der Euro offizielle Währung. Im Gegensatz zu Geldscheinen unterscheiden sich die Münzen von Land zu Land. Die „europäische“ Seite ist überall gleich, doch die „nationale“ variiert. Vor allem nun im Sommerurlaub kommt man mit ausländischen Münzen in Kontakt – doch welchen Ursprung haben deren Abbildungen? Unsere neue Serie erklärt es.

Spanische Euro-Münzen

Fotos: Münzhandelshaus Historia Hamburg

 

Folge 1: Spanien – 1.000 Jahre Geschichte im Portemonnaie

Gut 15 Jahre nach Einführung des Euro lagern noch Peseten im Wert von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro in spanischen Haushalten. Auch bei Touristen sind insbesondere die 25-Peseta-Stücke mit dem Loch in der Mitte als Kettenanhänger nach wie vor beliebt. Derart dekorative Zwecke erfüllt der 2002 auch in Spanien eingeführte Euro nicht. Dafür bieten die nationalen Münzen viel Historie:

Von der Diktatur zu Demokratie

Die 2- und 1-Euro-Münzen zeigen ein Porträt des Königs Juan Carlos I. – in Ländern mit Monarchie ist diese Motivwahl nicht unüblich. So zieren beispielsweise Luxemburgs Großherzog Henri I. und der holländische König Willem-Alexander (bzw. bis 2013 seine Mutter und Vorgängerin Beatrix) ebenfalls Euro-Münzen. Hierzulande wurde diese Ehre bisher nur Konrad Adenauer zuteil: Der ehemalige Bundeskanzler ist auf der deutsch-französischen Gemeinschaftsmünze zum 50-jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrags 2013 zu sehen.

Dass die Wahl der Spanien auf Juan Carlos fiel, lag sicher auch an seinem Einsatz für Europa: Der Bourbone war fast 40 Jahre lang, von 1975 bis 2014, das spanische Staatsoberhaupt. Entgegen allgemeiner Erwartungen setzte sich Juan Carlos nach seiner Krönung für die parlamentarische Monarchie als Nachfolgemodell der zuvor herrschenden Franco-Diktatur ein – und war sogar erfolgreich. Sein Engagement  ermöglichte den Aufbau der Demokratie sowie die europäische Integration des Landes. Trotz einiger Skandale war der König bei seinem Volk lange äußerst beliebt. Seit seiner Abdankung im Juni 2014 ist sein Sohn Felipe VI. König von Spanien. Die seit 2015 geprägten Euro-Münzen zeigen darum dessen Konterfei – das gilt auch für die beiden Exemplare auf unserem Bild.

Ein Literat von Weltrang

Anfangs hatte mancher Juan Carlos’ Vorgehen gegen die Diktatur sicher als Kampf gegen Windmühlen gedeutet – am Schluss war der König jedoch erfolgreicher als die berühmteste literarische Figur Spaniens: „Don Quijote“ – bekannt für seinen bemitleidenswerte Versuche, ein Ritter zu werden. Bemitleidenswert, aber einzigartig: Der Roman von Miguel de Cervantes wurde vor einigen Jahren von 100 renommierten Schriftstellern zum besten Buch der Welt gekürt. Kein Wunder, dass die Spanier stolz auf Cervantes sind – so stolz, dass sie sein Abbild auf die 50-, 20- und 10-Cent-Münzen prägen.

Kurz noch als historisches Hintergrundwissen – nicht nur für Spanienurlauber: Spaniens bekanntester Autor lebte vor mehr als 400 Jahren. Ähnlich wie sein Romanheld „Don Quijote“ führte er ein abenteuerliches Leben. Agent, Steuereintreiber und Soldat – Cervantes musste sich mit verschiedenen Beschäftigungen durchschlagen, bevor ihm 1605 sein literarischer Durchbruch gelang. 1615 konnte er mit dem zweiten Teil von „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ an seinen Erfolg anschließen.

Das Vermächtnis der Peseta

In die 5-, 2- und 1-Cent-Münzen ist die Kathedrale von Santiago de Compostela geprägt. Die in der Provinz Galicien gelegene Kirche soll auf dem Grab des Apostels Jakobus errichtet worden sein, der als Prediger der Märtyrertod starb. Der Bau der Kathedrale begann im 11. Jahrhundert, doch schon mehr als 100 Jahre zuvor sollen Christen erstmals auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela gewandert sein – in Europa neben Rom und Lourdes eines der bedeutendsten Pilgerziele.

Übrigens: Alle 20-Cent-Münzen des Euroraumes sind in Form der „spanischen Blume“ geprägt. Sie sind damit dem früheren 50-Peseten-Stück nachempfunden und haben sieben Einkerbungen, sodass sie an eine Blüte erinnern. Die ungewöhnliche Form soll Blinden und Sehbehinderten eine Unterscheidung der Münzen erleichtern.