Geld-Geschichte(n) – Teil 19: Die Bundesbank feiert ihren 60. Geburtstag

Früher und heute: Gebäude der Bundesbank

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: Die Gründung der Bundesbank vor 60 Jahren – am 26. Juli 1957.

Der Vorläufer der Bundesbank geht auf das Jahr 1875 zurück. Doch anders als wir es heute kennen, war die damals in Berlin gegründete Reichsbank nicht unabhängig, sondern dem Kanzler unterstellt. Das änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg auf Druck der Alliierten. Die Unabhängigkeit währte allerdings nicht lange. 1939 wurde die Reichsbank gleichgeschaltet und in den Dienst von Nationalsozialismus und Krieg gestellt.

Von der Reichsbank zur Bank deutscher Länder

Auch wegen der schlechten Erfahrungen in der NS-Zeit wurde das Zentralbankensystem nach dem Zweiten Weltkrieg umgekrempelt – erneut auf Betreiben der Alliierten. Als Vorbild galt ihnen das zweistufige Modell der USA, das Federal Reserve System – kurz Fed genannt. In Frankfurt initiierten die Besatzungsmächte 1948 die Gründung der „Bank deutscher Länder“ (BdL) als nationale Zentralbank, gleichzeitig entstanden in den neun westlichen Bundesländern (das Saarland kam erst Ende der 50er-Jahre dazu) rechtlich selbstständige Landeszentralbanken, in Berlin zudem die Berliner Zentralbank. Ihr gemeinsames Ziel: sowohl die neue Währung D-Mark als auch das Kreditsystem zu festigen. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Zentralbank für unabhängig erklärt. Bis heute ist dieser Punkt ein zentraler Teil ihres Selbstverständnisses.

Mitarbeiter der Bank deutscher Länder entladen einen Geldtransporter, 1955

Neun Jahre lang hatte das System Bestand, dann vereinte das „Bundesbankgesetz“ zum 26. Juli 1957 die verschiedenen Zentralbanken unter einem Dach – die Bundesbank entstand. Die Landeszentralbanken wurden zu Verwaltungssitzen, verloren aber ihre Eigenständigkeit. Die zentralen Ziele der neuen Bank sind in ihrem ersten Geschäftsbericht nachzulesen, nämlich

„daß nicht nur die Zahlungsbilanz mehr ins Gleichgewicht kommt und der Preisanstieg aufhört, sondern daß dabei auch das Produktions- und Beschäftigungsniveau von einem Rückschlag verschont bleibt, ja sich sogar weiter in dem Rahmen hebt, der ihm durch das – freilich nicht mehr im früheren Ausmaß wachsende – Produktionspotential gesteckt ist.“

Kurz gefasst: eine stabile Währung und ein reibungsloser Zahlungsverkehr sollten gewährleistet werden. Dies ist auch heute noch die zentrale Aufgabe der Bundesbank. Weiterhin ist die Bundesbank dabei unabhängig von der Regierung.

Die Bundesbank ebnet den Weg für die Europäische Zentralbank

Die Bundesbank ist heute in neun Hauptverwaltungen untergliedert. Diese sitzen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Leipzig, Mainz, München und Stuttgart. Geleitet wird das Institut vom Vorstand, dessen Mitglieder der Bundespräsident bestellt.

Die Bundesbank hat Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten durch stürmische Zeiten gesteuert. So trug sie ihren Teil dazu bei, die Inflation in den 70ern zu meistern wie auch die deutsch-deutsche Währungsunion am 1. Juli 1990.

Die Bundesbank war zudem maßgeblich an der Einführung des Euro und der Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) beteiligt. Der Hauptsitz der EZB wurde schließlich ebenfalls in Frankfurt angesiedelt.

Heute ist die Bundesbank Teil des europäischen Notenbankensystems und ihr Präsident ist Mitglied im Entscheidungsgremium, dem EZB-Rat. Zentrales Geschäftsfeld ist die Geldpolitik des Eurosystems. Zu den weiteren Aufgaben gehören das Finanz- und Währungssystems, die Bankenaufsicht, der unbare Zahlungsverkehr sowie das Bargeld.