Geldgeschichte(n) – Teil 18: Der Tag, an dem Deutschland eins wird – zumindest finanziell

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: Die deutsch-deutsche Währungsunion am 1. Juli 1990.

Beim Begriff Wiedervereinigung denken wir alle zunächst an den 3. Oktober. Der heutige Nationalfeiertag markiert aber “nur” das Datum, zu dem die Einheit vollzogen wurde. Ein auf dem Weg dorthin wichtiger Meilenstein war der 1. Juli.  An diesem Tag trat 1990 die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (WWU) in Kraft, die vergleichbare Standards für zentrale Bereiche wie Steuern, Alltagsrecht und Finanzen in West- und Ostdeutschland setzte

Ein elementarer Baustein dabei war die Einführung der Deutschen Mark in der DDR. Denn dabei ging es nicht nur um die Währungsumstellung, gleichzeitig wurde das Modell der Sozialen Marktwirtschaft in Ostdeutschland eingeführt.

Viel Zeit für die Vorbereitung der Währungsunion blieb nicht. Am 18. Mai 1990 hatten der Finanzminister der Bundesrepublik, Theo Waigel, und sein Amtskollegen in der DDR, Walter Romberg, den Vertrag über die Schaffung einer WWU zwischen den beiden Staaten unterschrieben.

Jeder wollte die neuen Banknoten in Händen halten

Innerhalb weniger Wochen brachte die Deutsche Bundesbank 40 Millionen Scheine und 102 Millionen Münzen in den Osten Deutschlands. Für die Ausgabe der neuen Währung eröffnete sie 15 Filialen mit Büros, Kassen- und Tresorräumen und eine “Vorläufige Verwaltungsstelle” in Ostberlin. Künftig war die Deutsche Bundesbank die alleinige Währungs- und Notenbank des (noch nicht komplett) wiedervereinigten Deutschlands.

Die Bankangestellten hatten keine leichte Aufgabe vor sich. Umso erstaunlicher, wie gut die Zusammenarbeit der Mitarbeiter der Bundesbank und der ehemaligen DDR-Staatsbank funktionierte. Sie vereinheitlichten beide Bankensysteme, organisierten den Geleitschutz der Geldtransporter und ließen einen Teil des Geldes sogar per Flugzeug einfliegen.

Ab 1. Juli 1990 galt die D-Mark dann auch in ganz Ostdeutschland. Aufgrund des großen Andrangs dienten neben den offiziellen Bankfilialen auch Bürgermeisterämter und Schulen als Auszahlungsstellen.

Die Deutsche Mark: Symbol des Wirtschaftsaufschwungs

Der Umtauschkurs variierte je nach Alter und Art der Bezüge oder Verbindlichkeiten. Bürger ab 60 Jahren aufwärts durften bis zu 6.000 DDR-Mark zum Kurs 1:1 umtauschen. Für jüngere Erwachsene lag die Grenze bei 4.000, für Kinder bis 14 Jahren bei 2.000 DDR-Mark. Der selbe Kurs galt bei Löhnen, Gehältern, Stipendien, Renten, Mieten und Pachten sowie allen wiederkehrenden Zahlungen. Gespartes oberhalb dieser Beträge sowie Schulden wurde im Kurs 2:1 umgetauscht. Personen und Firmen, die ihren Sitz nicht in der DDR hatten, bekamen ihr dort ansässiges Guthaben im Kurs von 3:1 getauscht.

Die Deutsche Mark galt im Osten als Symbol des Wirtschaftsaufschwungs. Der Kaufrausch ließ nicht lange auf sich warten – zumal viele Händler in den Tagen vor der DM-Einführung Waren zurückgehalten hatten, um sie danach für “harte” DM zu verkaufen. Am darauffolgenden verkaufsoffenen Sonntag waren vor allem Videorekorder, Fernseher, Autos und Reisen begehrt – Güter, die für die viele DDR-Bürger zuvor nicht nur unerschwinglich, sondern oft gar nicht erhältlich gewesen waren.

Motto von Sprechchören bei Demos in der DDR 1990