Geld-Geschichte(n) Teil 16 - Die Europäische Zentralbank wird aus der Taufe gehoben

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse in dieser Kalenderwoche haben einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: Die Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 1. Juni 1998.

Bereits in den 70er-Jahren begann die Debatte über eine gemeinsame Währung. Erste Vorschläge scheiterten, doch 1989 legte Jacques Delors, damals Präsident der Europäischen Kommission, einen Drei-Stufen-Plan vor. Dieser mündete in der in die Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Zunächst war eine engere geldpolitische Kooperation vorgesehen, damals schon mit dem – bis heute zentralen – Ziel der Preisstabilität.

Nach und nach wurden die Pläne konkreter, und elf Länder schlossen sich zu einer Währungsunion zusammen. Im 1992 unterzeichneten Vertrag über die Europäische Union („Maastricht-Vertrag“), dem wohl bekanntesten und wichtigsten Dokument auf dem Weg der europäischen Einigung, wurde eine Europäische Zentralbank bereits ausdrücklich erwähnt und in ihren Funktionen definiert. Es war klar: Eine kollektive Währung braucht eine gemeinsame Zentralbank.

Gründungstag der EZB war dann der 1. Juni 1998. Zum ersten Präsident ernannt wurde der Niederländer Wim Duisenberg (bis 2003), auf ihn folgten der Franzose Jean-Claude Trichet (bis 2011) und Mario Draghi aus Italien, der aktuell amtierende EZB-Chef. Er sitzt einem sechsköpfigen Direktorium vor, das die Geschäfte der EZB leitet. Mit der Juristin Sabine Lautenschläger ist aktuell auch eine Deutsche im Direktorium vertreten.