So können Sie Mündelgelder sinnvoll anlegen

Die anhaltende Niedrigzinsphase wirkt sich auf alle aus, die Geld anlegen wollen – manchmal sogar mit dem Ergebnis, dass es juristisch knifflig wird. Dies ist zum Beispiel beim sogenannten Mündelgeld der Fall. Als solches bezeichnet man das Kapitalvermögen, das sich im Besitz einer unmündigen Person ohne eigene Geschäftsfähigkeit befindet. Das Kapital eines solchen „Mündels” verwaltet sein Vormund. Das kann beispielsweise notwendig werden, wenn ein Kind bei einem Autounfall beide Eltern verliert.

Der Vormund ist verpflichtet, dieses Geld in besonderer Form, nämlich „mündelsicher”, und verzinslich anzulegen. Nachlasspfleger und Betreuer müssen derselben Pflicht nachkommen. Ob eine Anlage mündelsicher ist oder nicht, hat der Gesetzgeber explizit festgelegt. Die entsprechenden Paragrafen finden Sie unten.  

Doch was heißt eigentlich „sicher“?

Kurz gesagt: Ziel ist der Schutz des Mündels davor, Vermögen zu verlieren. Daher sieht das Gesetz zum Beispiel festverzinsliche Bundesanleihen oder Pfandbriefe vor sowie Anlagen bei Kreditinstituten, die eine ausreichende Einlagensicherung haben. Angesichts der Nullzinspolitik der großen Notenbanken weisen jedoch auch Bundesanleihen mit kürzeren und mittleren Laufzeiten negative Renditen auf – selbst bei zehnjährigen Anleihen war dies im vergangenen Jahr zeitweise der Fall. Bei Spareinlagen sieht es nicht viel besser aus. Hier liegt der Zins in Deutschland im Promillebereich.

Was viele Vormunde oder Betreuer von Mündeln nicht wissen: Man kann sich die Anlage von Mündelgeld in andere wirtschaftlich sinnvolle Anlagen genehmigen lassen. Hierzu gibt es einige Voraussetzungen:

  • dass die Anlageform unter Berücksichtigung des gesamten Vermögens des Mündels den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Verwaltung nicht entgegen steht

  • dass man größere Vermögen über unterschiedliche Anlagearten streut

  • dass die Anlageform hinreichend sicher ist.

Im Einzelfall sind daher auch Anlagen in Investmentfonds, offenen Immobilienfonds oder auch Aktien oder Aktienfonds gestattet. In jedem Fall lohnt es sich, rät der Bankenverband, den individuellen Spielraum genau auszuloten – um Mündelgeld wirklich sicher anzulegen, nicht zuletzt rechtssicher für den Vormund.

Informationen zu den relevanten Paragrafen:

Pflichten von Nachlasspflegern und Betreuern: § 1908i Abs. 1/§ 1915 BGB

Gesetzliche Vorgaben zum Umgang mit Mündelgeld: §§ 1805 ff. BGB

Alleinverfügungsrecht des gesetzlichen Vertreters: § 1813 BGB

Befreiung von der  Anlagebeschränkungen: § 1817 BGB

Recht auf Dauerverfügung – etwa für Heimkosten: § 1825 BGB