Geld-Geschichte(n) – Teil 15: Die Wall Street feiert 225. Geburtstag

17. Mai 1792: Die New Yorker Börse wird gegründet

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: Der berühmteste Aktienhandelsplatz der Welt und seine bescheidenen Anfänge

Kein anderer Straßenname ist so sehr mit Geldgewinnen (und -verlusten) assoziiert wie die „Wall Street“ – aktuell werden an der dort beheimateten Börse, der New York Stock Exchange (NYSE), pro Jahr Aktien im Wert von rund 20 Billionen Dollar gehandelt. Das ist mehr als das Zehnfache der Deutschen Börse in Frankfurt. 

Den Beginn dieses Mythos’ markieren 24 New Yorker Händler und eine Platane: In deren Schatten vor der Adresse Wall Street, Hausnummer 68, wird am 17. Mai 1792 das sogenannte „Buttonwood-Abkommen“ unterzeichnet. Hierin versprechen die Männer einander, dass sie künftig bei jedem Wertpapierverkauf eine Gebühr von mindestens 0,25 Prozent verlangen.

Allerdings sind die Transaktions-Möglichkeiten in New York zunächst sehr begrenzt. Gerade mal fünf Papiere umfasst das Portfolio – zwei Bankaktien und drei Staatsanleihen. Dennoch beziehen die Händler bald das nahegelegene „Tontine Coffee House“ zum täglichen Handel. Kurz vor dem 25-jährigen Jubiläum 1817 wird die New York Stock & Exchange Board (NYS & EB) gegründet, der Vorläufer der heutigen NYSE von 1863.

Als an einem Tag nur 31 Aktien gehandelt wurden…

Zwar gibt es in der Folge mitunter deprimierende Tage wie den 16. März 1830, an dem gerade mal 31 (!) von etwa 80 Millionen gelisteten Aktien gehandelt werden – ein Allzeitumsatztief. Insgesamt wird das Geschäft jedoch zusehends bedeutender, besonders seit Einführung des Börsentickers 1867. Bald folgt ein weiterer Meilenstein: Ende 1886 werden erstmals mehr als eine Million Aktien an einem Tag gehandelt.

Zehn Jahre später kreiert der Ökonom und Journalist Charles Dow (u.a. Herausgeber des „Wall Street Journal“) den nach ihm benannten „Dow Jones Industrial Average“, bis heute bekannt als Dow Jones. Die Ursprungsvariante von 1896 umfasste gerade mal zwölf Titel. Die einzige Aktie, die bis heute noch unter demselben Namen im Dow Jones notiert, ist der Mischkonzern General Electric.

Ihren heutigen Standort bezieht die NYSE dann im Jahr 1903: ein Gebäude in der Wall Street Nummer 11. Ihren Namen hat die gerade mal etwas mehr als einen Kilometer lange Straße übrigens von einem Wall, der dort Mitte des 17. Jahrhunderts als Schutz gegen Angriffe nordamerikanischer Ureinwohner aufgeschüttet wurde.

Von den „Roaring Twenties“ zum „Schwarzer Freitag“

Großen Auftrieb erhält der Wertpapierhandel dann in den „Goldenen Zwanzigern“, in den USA bekannt als „Roaring Twenties“. Im Juni 1928 werden bereits fünf Millionen Papiere pro Tag umgesetzt, kurz darauf erhöht sich die Zahl der Dow Jones-Titel auf 30 (die bis heute gilt). Ein gutes Jahr später, am 24. Oktober 1929, beträgt das tägliche Handelsvolumen zehn Millionen Aktien. Dieses Datum markiert jedoch zugleich einen der bittersten Tage der Börse und geht als „Schwarzer Donnerstag“ – beziehungsweise „Schwarzer Freitag“ (in Europa, wo die Krise erst tags darauf ankommt) in ihre Historie ein: Wenige Tage darauf hat sich der Wert des Dow Jones’ halbiert; der durch eine Spekulationsblase ausgelöste Börsencrash läutet die Weltwirtschaftskrise ein.

Bis der Aktienhandel wieder eine globale Massenbewegung wird, dauert es einige Zeit. Manche Modernisierung lässt entsprechend auf sich warten: So bewertet die NYSE erst seit Beginn dieses Jahrtausends die Aktien in Dezimalzahlen (statt in Brüchen!). Und eine eigene Notierung hat die Börse als Aktiengesellschaft gerade mal seit März 2006, also 214 Jahre nach ihrer Gründung. Doch rechtzeitig zum Jubiläumsjahr läuft alles prächtig: Am 25. Januar 2017 hat der Index erstmals die Grenze von 20.000 Punkten erreicht.