Wann sind Veräußerungsgewinne steuerfrei?


 

Die Immobilienmärkte boomen, an den Börsen kratzen Dax, Dow und andere Indizes zurzeit regelmäßig an Allzeithochs. Wer allerdings Gewinne realisieren möchte, sollte vorher lieber kurz seinen Steuerberater anrufen. Denn nicht immer ist das erzielte Plus steuerfrei. Im Gegenteil, auch Privatanleger müssen Veräußerungsgewinne versteuern. Worauf es ankommt und wie Sie eventuelle Steuern umgehen, lesen Sie hier:

Je nach Anlageobjekt gelten unterschiedliche Steuerregeln

Immobilien: Wer ein Haus oder eine Wohnung innerhalb der ersten zehn Jahren nach Erwerb wieder verkauft, muss einen daraus resultierenden Gewinn grundsätzlich versteuern. Die gute Nachricht für private Besitzer: Für sie gilt die Regel nicht, wenn Sie ihre Immobilie ausschließlich selbst zu Wohnzwecken genutzt haben. Dann entfällt laut Paragraf 23  Einkommensteuergesetz die Steuerpflicht. Das gleiche gilt, wenn die Immobilie, so das Gesetz, zumindest "im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde".

Die Bedingungen, unter denen sie eine private Nutzung anerkennen, legen Finanzämter offenbar recht streng aus: "Wenn ein lediger Eigentümer mit einem Partner zusammenlebt, fällt das aber noch unter ausschließlich selbst genutzt", zitiert welt.de den Steuerrechtler Jürgen Hidien. Allerdings könne es bereits problematisch sein, wenn die beiden einen offiziellen Mietvertrag etwa über ein Zimmer in der Wohnung abgeschlossen hätten.

Solche Fragen stellen sich nicht mehr, wenn die "Spekulationsfrist" abgelaufen ist: Liegen zwischen Anschaffung und Veräußerung mindestens zehn Jahre, ist der Gewinn für private Verkäufer – unabhängig von der Nutzung – einkommensteuerfrei.

Sonderregelungen für deutsche Verkäufer gelten übrigens, wenn die Immobilie im Ausland liegt: Dann greifen, darauf weist pwc.de hin, im Zweifelsfall besondere Regelungen entsprechend der Doppelbesteuerungsabkommens zwischen dem jeweiligen Staat und Deutschland als Ort des Wohnsitzes.

Gold und Kunst: Verkaufen Privatanleger Goldbarren oder andere Edelmetalle, Kunstwerke oder Münzen, gilt eine einjährige Spekulationsfrist. Das heißt: Liegt zwischen Erwerb und Verkauf mindestens ein Jahr, ist der Veräußerungsgewinn steuerfrei, ansonsten grundsätzlich einkommensteuerpflichtig.

Wertpapiere: Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und Investmentfonds-Anteilen unterliegen grundsätzlich der 25-prozentigen Abgeltungsteuer. Der Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer kommen noch hinzu. Ausnahmen gelten, wenn Sie Ihre Wertpapiere vor Einführung der Abgeltungsteuer am 1. Januar 2009 erworben haben. Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf solcher „Altbeständen“ sind für Privatanleger steuerfrei.

Fazit: Prüfen Sie vor einem Verkauf unbedingt, wie der Fiskus entstehende Gewinne steuerlich behandelt. Wer sich die Geduld leisten kann, noch zum Ende der jeweils geltenden Spekulationsfrist abzuwarten, der kann sich womöglich erhebliche Steuerzahlungen ersparen. Wie eingangs schon erwähnt: Zumindest bei größeren Verkäufen lohnt der kurze Anruf beim Steuerberater.