Geld-Geschichte(n) – Teil 13: Das Ende der New Economy-Blase

Welche Ereignisse haben in dieser Kalenderwoche einst Märkte und Menschen bewegt? In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Heute: das Ende der New Economy-Blase an Faschingsdienstag im Jahr 2000.

Der 7. März 2000 stellte den Wendepunkt eines beispiellosen Höhenflugs der Börsen dar. In weniger als vier Jahren hatte beispielsweise der deutsche Leitindex Dax seinen Wert mehr als verdreifacht: 8.064 Punkte standen an diesem Karnevalsdienstag im Jahr 2000 auf dem Kurszettel – doch dann schlug die Hausse in eine massive Talfahrt um, was vor allem Kleinanleger eiskalt erwischte und der Aktienkultur in Deutschland ihre schwerste Krise bescherte. Wie kam es dazu?

Die zweite Hälfte der 90er-Jahre war gezeichnet von einer Euphorie an den Aktienmärkten. Das Internet oder Mobiltelefone schürten bei vielen Hoffnung auf ein Zeitalter, in dem man sein Geld in Windeseile vermehren kann – am liebsten mit Wertpapieren. 1997 führte die Frankfurter Börse den Neuen Markt nach dem Vorbild der US-Technologiebörse Nasdaq ein. Dieses Segment richtete sich an junge Unternehmen aus verheißungsvollen Branchen wie Internet, Telekommunikation und Biotechnik, die über einen Börsengang ihre Eigenkapital stärken sollten.

In den folgenden Jahren wagten immer mehr junge „Start-ups“ den Gang an die Börse. Man sah sie als Unternehmen der Zukunft, und viele investierten voller Erwartungen, um an prognostizierten Gewinnen von morgen teilzuhaben. Inwieweit die Businesspläne realistisch waren, hinterfragten viele Anleger und selbst manche Experten nicht.

Die Zahl der Aktien-Anleger verdoppelt sich 

Das führte dazu, dass sich die Börsen-Bewertungen vieler Digital-Unternehmen und Dotcom-Startups immer stärker von ihrer tatsächlichen Wertschöpfung entfernten: Dem Münchner Filmrechtehändler EM.TV wurde im Februar 2000 beispielsweise ein Marktwert von 14 Milliarden Euro zugemessen – so viel wie der im Dax notierte Industriekonzern ThyssenKrupp. Zum Vergleich: ThyssenKrupp konnte laut Geschäftsbericht 1999 einen Jahresumsatz von 32 Milliarden Euro verzeichnen, EM.TV dagegen lediglich rund 160 Millionen Euro, gerade mal ein Zweihundertstel.

Auch viele Privatleute begeisterten sich nun für die Börse und stiegen in den Aktienhandel ein. Im Jahr 2000 waren es 6,2 Millionen Bundesbürger – fast doppelt so viele wie zwölf Jahre zuvor. In vielen Fitnessstudios lief häufiger n-tv als MTV, und an Stammtischen und in Fußball-Umkleiden wurden die heißesten Start-ups und Tech-Aktien empfohlen. Nicht wenige verwendeten einen Großteil ihres Vermögens für Aktienkäufe oder machten sogar Schulden. Beliebt war zum Beispiel die Telekom-Aktie, die in jener Zeit einen der größten Börsengänge aller Zeiten feierte.

Vermeintliche Himmelsstürmer gingen plötzlich insolvent

Wie in Deutschland hatte auch in vielen anderen Teilen der Welt die New-Economy- bzw. Dotcom-Blase die Märkte im Griff – bis sie im März 2000 platzte. Dafür gab es nicht einmal einen herausragenden Anlass; vielmehr beschlich immer mehr Leute ein unsicheres Gefühl, ob weitere Kurssteigerungen tatsächlich zu erwarten seien. Also wollten sie ihre Aktien schnell loswerden, was wiederum die Kurse nach unten zog. Erste Insolvenzen von vermeintlichen Himmelsstürmern beschleunigten diese Entwicklung.

Eine mehrjährige Talfahrt der Börse begann, die durch die Erschütterungen nach dem 11. September 2001 noch verstärkt wurde. Der Dax stürzte innerhalb von drei Jahren von rund 8.000 auf nur noch 2.500 Punkte ab. Kurz darauf schloss die Deutsche Börse auch den „Neuen Markt“ – die Marke war verbrannt, der Dotcom-Boom passé. Die Börsen litten lange an den Folgen: Sieben Jahre dauerte es, bis der Dax im Sommer 2007 die einstige Rekordmarke knackte.